Brizzly – der ultimative, alles vernichtende Twitter-Dienst?
Es war Mittwoch der 14.10.2009 an dem sich mein Leben grundlegend veränderte … ich bekam eine Einladung von Brizzly, um ihren neuen Dienst zu testen.
Naja – ganz so dramatisch ist es natürlich nicht, aber dieser Dienst hat das Zeug dazu, ein ganz grosser zu werden. Warum und wieso, werde ich im folgenden Artikel genauer erläutern. Als Hintergrundinformation: normal nutze ich TweetDeck bzw. die Twitter-eigene Oberfläche.
Brizzly ist ein neuer Online-Dienst, der es ermöglicht mehrere Twitter-Accounts zu verwalten und mit einigen neuen Features aufwartet. Er befindet sich noch im Beta-Stadium, kann aber durch eine Einladung getestet werden.
Hier ein kleiner Abriss, was so möglich ist:
- Tweeten
- DMs schreiben (werden ähnlich wie IM dargestellt .. also chat-ähnlich)
- Suchen (auch mit Umlauten)
- Favoriten
- Tweets Entwürfe speichern und verwalten
- Twitterer gruppieren (gruppeneigene Timelines)
- Tweets bestimmter Twitter unterdrücken (mute)
- Trends kommentieren
- gespeicherte Suchen verwalten
- Bilder und Videos werden direkt im Tweet angezeigt
- Short-Urls werden entschlüsselt gezeigt
- Bilder können direkt bei Brizzly hochgeladen und verwaltet werden
Es ist vor allem die gut durchdachte Oberfläche, die zu gefallen weiss.
Im Folgenden möchte ich euch ein wenig durch Brizzly führen und die Vorteil und auch die Nachtteile näher beleuchten.
Die Anmeldung
Beim Klick auf den Link der Einladung, gelang ich direkt auf die Anmeldeseite von Brizzly und der Einladungscode war bereits eingetragen. Nun nur noch einen Benutzernamen aussuchen, die eMail-Adresse und ein neues Passwort angeben und den Benutzerrichtlinie zustimmen – fertig. Der Account wurde angelegt.
Hat man das hinter sich gebracht, muss der Account nur noch mit Twitter verbunden werden (das übliche Allow – Deny) und schon kann es losgehen.
Die ersten Schritte
Auf der Startseite angelangt, fällt einem gleich ein Video ins Auge, welches in groben Zügen einige Funktionen von Brizzly erklärt (in englisch). Hier wird schon deutlich, in welcher Liga Brizzly spielen möchte. Und es macht sehr neugierig.
Da ich kein Freund vom “Hilfe lesen” bin, habe ich einfach mal losgelegt. Ich muss sagen, dass alles wirklich recht intuitiv ist. Wenn irgendwo eine Frage aufgetaucht ist (z.B. wie kann ich jetzt das Unterdrücken wieder rückgängig machen?) habe ich kurz überlegt, wo ich das erwarten würde, und tatsächlich auch meist dort gefunden.
Die Einstellungen
Neben Standard-Einstellungen wie Passwort ändern, Brizzly verlassen oder Sprache ändern, gibt es zwei Optionen die interessant sind.
Die Eine betrifft das Layout. So kann man zwischen der Breite “Standard” und “Breit” wählen, welches Auswirkung auf die mittlere Spalte (Tweetsanzeige) hat. Der Zugewinn an Breite ist etwa 30%.
Die andere betrifft Twitter. Hier gibt es die Möglichkeit bis zu 4 weitere Twitter-Accounts an Brizzly anzubinden. D.h. über einen Brizzly Account können 5 Twitter-Accounts verwaltet werden – ein großer Vorteil, wenn man mehrere Twitter-Accounts im Auge behalten möchte.
Und los gehts … Die Benutzeroberfläche
Twitter-Account Auswahl
Hier lässt sich der Twitter-Account auswählen, über den ich jetzt twittern möchte. Dies funktioniert wirklich gut und kann “on the fly” hin und her geschaltet werden.
Tweets Liste
Alle eingehenden Tweets werden in der mittleren Spalte angezeigt. Gefiltert wird nach Anwahl des Twitter-Accounts erst mal noch nichts (= Startseite). Es können natürlich Gruppen definiert werden aber dazu später mehr.
Unter jedem Tweet sind Buttons, die das schnelle Retweeten, Antworten und Favorisieren erlauben. Ein Klick auf den Twitternamen führt zur Twitter-Seite (http://twitter.com/preisbiene).
Klickt man hingegen auf das Bild, so öffnet sich das Profil des Twitterers. Neben Infos, wie der Biographie und Anzahl der Follower, gibt es hier weitere Funktionen: Diesem Twitterer eine Nachricht schicken (DM), diesem Twitterer nicht mehr folgen, alle Tweets dieses Twitterers unterdrücken und Gruppe bearbeiten. Die ersten zwei Punkte sind selbsterklärend. Auf die anderen zwei möchte ich kurz eingehen.
Unterdrücken (mute)
Das ist neu und bedeutet, dass die Tweets dieses Twitterers ab jetzt ignoriert werden und nicht mehr in der globalen Liste erscheinen. Ihm folgen tue ich aber weiterhin. Dies ist eine sehr nützliche Funktion, die z.B. dann sehr hilfreich ist, wenn der Twitterer zur Zeit eine Diskussion führt, die mich gar nicht interessiert. So kann ich ihn für den Moment unterdrücken und dies aber später wieder rückgängig machen.
Gruppen bearbeiten
Hier besteht die Möglichkeit diesen Twitterer einer Gruppe zuzuordnen. So erscheinen dessen Tweets nicht nur in der globalen Liste, sondern auch in der Gruppenliste. Mit dieser Methode können Twitterer schön thematisch getrennt werden.
Tweeten
Natürlich lässt sich über Brizzly auch tweeten (melden genannt). Dazu ist ein Textfeld vorgesehen. Ein Tweet kann darüber hinaus auch als Entwurf gespeichert und zu einem späteren Zeitpunk wieder geholt werden. Auch an Bilder wurde gedacht. Ein Klick auf das Kamera-Symbol öffnet einen Dialog, in dem sich ein Bild von der Festplatte wählen lässt. Dieses wird bei Brizzly hochgeladen und als Short-Url (http://brizzly.com/pic/93S) im Editor eingefügt. Auch eine Thumb-Ansicht für das Bild ist vorhanden. Diese Url ist aber nur gültig, wenn sie auch getweetet wurde.
Menü: Startseite
“Profil” zeigt die Daten des aktuell angewählten Twitter-Profils. Hinter den Links zu followers , following und muted findet man die Liste der Twitterer dazu. Praktischerweise kann hier gleich folgen, nicht mehr folgen, unterdrücken und unterdrücken zurücknehmen editiert werden.
@preisbiene listet alle Tweets auf, die mit @preisbiene an mich gerichtet waren.
Favoriten zeigt die von mir favorisierten Tweets.
Unter Entwürfe können die gespeicherten Entwürfe verwaltet werden. Dabei ist es egal, von welchem Twitter-Account ein Entwurf stammt.
Und unter Bilder ist die Verwaltung für alle bei Brizzly hochgeladenen Bilder zu finden.
Menü: Direktnachrichten
Hier findet sich die Verwaltung von Direktnachrichten. Diese können beantwortet und auch gelöscht werden.
Der Punkt Direktnachricht schreiben hatte mich zunächst etwas verwirrt. Hier geht es nur darum, den Namen zu finden, an den die Nachricht gerichtet ist. Dieser muss angeklickt werden und erst dann öffnet sich rechts das Fenster für die Direktnachricht.
Menü: Gruppen
Zu sehen sind hier alle von mir angelegten Gruppen. In jeder Gruppe sind nur die Tweets der Twitterer zu sehen, die ich den Gruppen zugewiesen habe. Das Unterdrücken von Tweets wird ignoriert. So werden Tweets zwar in der globalen Liste gefiltert, wohl aber in den Gruppen angezeigt. Finde ich gut … so erscheinen die Tweets nicht doppelt. Wichtig zu wissen ist auch, dass die Gruppen für alle Twitter-Accounts gelten. Eine spezielle Gruppen nur für einen Twitter-Account, ist leider nicht möglich.
Wer welcher Gruppe zugeordnet wurde, ist in der Kopfzeile der Tweetliste zu sehen. Unter Diese Gruppe bearbeiten lässt sich die Gruppe umbenennen oder Twitterer hinzufügen bzw löschen.
Leider können im Moment nur maximal 5 Gruppen angelegt werden, denen man je 50 Twitterer zuweisen kann. Gerade im Hinblick darauf, dass die Gruppen für alle Accounts gelten, ist dies natürlich viel zu wenig. Das wird in Zukunft aber mehr werden (hat Brizzly bereits angekündigt).
Menü: Gespeicherte Suchen
Oft durchgeführte Suchen können gespeichert werden und sind mit einem Klick abrufbar. Die Obergrenze ist hier bei 25 Stück, was im Gegensatz zu Gruppen, ausreichend sein sollte. Was ich hier vermisse, ist die Einstellung, in welcher Sprache gesucht werden soll… kommt vielleicht noch. Gibt es zum gesuchten Wort einen neuen Tweet, so wird dies durch ein blauen Punkt hinter dem Suchwort angezeigt.
Die gespeicherten Suchen werden auch bei Twitter unter Home angezeigt. Eigentlich ist die Begrenzung für gespeicherte Suchen bei Twitter ja 10 … trotzdem werden alle 25 gezeigt.
Twitter durchsuchen
Nichts weltbewegendes. Es lässt sich Twitter durchsuchen (Keyword, Tag oder Phrase) und auch nach Usern denen ich folge, kann gesucht werden.
Trends
In dieser Box sind Begriffe zu finden die wohl im Moment im Trend liegen (sind die gleichen wie bei Twitter). Diese Begriffe lassen sich in einer Textbox erklären bzw. kommentieren. Die Frage ist nur, wer das kontrolliert. Zudem kann ja jeder das, was ich geschrieben habe, wieder ändern. Hmm … irgendwie sinnfrei.
Wurde ich unterdrückt?
Diese Frage wird viele brennend interessieren. Leider habe ich keine Möglichkeit gefunden zu sehen, ob ich von jemanden unterdrückt werde oder nicht. Es muss ja aber auch kein Nachteil sein, da meine Tweets in “Gruppe” ja trotzdem angezeigt werden. Außerdem will mir vielleicht jemand gar nichts Böses, sondern ist im Moment nur an der Diskussion nicht interessiert.
Tastenkürzel
j – scrollt die Liste einen Tweet nach oben
k – scrollt die Liste einen Tweet nach unten
v – öffnet den Link, über dem die Maus steht
h – springt zur Startseite
c – Tweet schreiben (nur wenn Textfeld geöffnet ist)
r – Tweets neu laden (refresh)
/ – Browsersuche
Was sonst noch interessiert
Das Unterdrücken von Tweets kann unter Einstellungen rückgängig gemacht werden. Weitere Möglichkeiten: die Person suchen und dort im Profil das unterdrücken deaktivieren oder auf das eigene Profil gehen und dort muted anklicken.
Für DMs gibt es ein spezielles Fenster. Hier kann der DM Dialog mit einem Twitterer auf einen Blick verfolgt werden (ähnlich IM). Schliesse ich dieses Fenster, ist der Verlauf leider weg und man muss wieder im Posteingang bzw. Gesendet nach schauen.
Bei TweetDeck ist es praktisch, gleich in mehreren Spalten die Tweets zu sehen (Group, Mentions, DM). Bei Brizzly gibt es leider immer nur eine Spalte. Es ist zwar so, dass allgemein durch einen blauen Punkt immer schnell zu sehen ist, wo sich etwas tut, aber dies kann den Vorteil von mehreren Spalten nicht wett machen kann.
Wünsche
- Beim Suchen sollte noch die Sprache einstellbar sein, in der ich suchen möchte.
- In der Liste der User denen ich folge, wäre es noch praktisch wählen zu können, wer in welche Gruppe soll.
- Mehrere Spalten für Tweets die auch die ganze Breite des Monitors nutzen.
Probleme und Fehler (Firefox)
- Für Twitterer, denen ich eigentlich schon folge, wird erneut der Button “Folgen” angeboten. Das alleine ist nur lästig … aber gleichzeitig kann ich den dann auch nicht unterdrücken, weil Brizzly meint ich folge ihm nicht.
- Wenn ich von den Einstellungen zur Startseite wechsle, scrollt die Navigation nicht mehr mit. Keine Ahnung wie das wieder hinzubekommen ist. Manchmal reicht ein Klick auf eine Suche, manchmal ist nichts zu machen.
- Der Link, der normal auf einen Tweet führt, macht bei einer DM natürlich keinen Sinn und führt immer zu einer Fehlermeldung.
- Ab und zu passieren noch komische Sachen: z.B. erscheinen ältere DMs plötzlich wieder als Neue DMs. In den Gruppen werden keine Tweets angezeigt.
- Hier und da Performance Probleme … glaube nicht, dass das an meinem DSL 768 liegt.
- Das Melden neuer Tweets kann mit unter etwas dauern.
- Die Liste der Twitterer, die unter Profil (following, follower, muted) angezeigt wird, ist fehlerhaft da unvollständig. Beim erneuten Laden wurden dann plötzlich alle gefunden. Vielleicht kommt da beim nachladen etwas durcheinander.
Fazit
Es führen bei Brizzly oft viele Wege nach Rom. Ich bin etwas hin- und hergerissen. Ich sehe es jetzt mal aus “Twitter-Sicht” (TweetDeck unterstützt ja auch noch Facebook und MySpace – Brizzly nicht). In den Grundfunktionen unterscheiden sich Brizzly und TweetDeck kaum. Es sind also die Details, die zählen.
Brizzly kann nur mit einer Spalte Tweets aufwarten und hat noch die ein oder andere Kinderkrankheit (hat ja aber noch Betastatus). Auf der anderen Seite hat es aber so viele kleine nützliche Funktionen integriert, dass es richtig Spass macht mit Brizzly zu arbeiten. Man merkt, dass sich die Entwickler viele Gedanken gemacht haben. Grosser Pluspunkt für mich sind hier die Funktionen “unterdrücken” und “Entwürfe”.
TweetDeck hat beim Suchen immer noch Probleme mit Umlauten und das Gruppieren von Usern ist im Detail umständlich (Neue User). Eindeutiger Pluspunkt hier: mehrere Spalten verschaffen schnell einen Überblick. Aber auch die Funktion, dass eingehende Tweets oben in der Ecke kurz auftauchen und gelesen werden können, möchte ich eigentlich nicht mehr missen.
Schaut es euch mal an und entscheidet selbst…
Mal sehen wie sich Brizzly in der Praxis bewährt und was sich die Entwickler noch einfallen lassen. Es ist aber auf einem wirklich guten Weg.
Wer Interesse an einer Einladung für Brizzly hat, kann einfach hier einen Kommentar hinterlassen.
Artikel anderer Blogger zum Thema Brizzly
- Twitter-Tools 12: Brizzly bringt den Überblick
- Brizzly, Twitter-Website mit vielen Extras
- Ein Twitter-Client mit Fokus
- brizzly.com – Webbasierter Twitter Client (Screencast)
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[...] – der ultimative, alles vernichtende Twitter-Dienst? (Link) Für die, die es noch nicht kennen #Brizzly [...]
Danke für den interessanten und ausführlichen Artikel. Also ich hätte Interesse an einer Einladung
Danke für Deinen Kommentar.
Die Einladung müsste demnächst bei dir per eMail eintreffen .. wenn nicht einfach nochmal melden.
Ist da! Tausend Dank!